Genealogie Binder

Leutnant, Amtmann, Vogt und andere

zwischen Alpirsbach, Balingen, St. Georgen und anderswo

Stand: 22.05.2017

Inhalt

Vorwort

Bei der Ahnenforschung trifft man hin und wieder auf Ahnen, deren Erforschung anspruchsvoller ist, aber auch umfangreichere Ergebnisse und tiefere Einblicke in das Leben besagter Ahnen liefert. Dies sind Ahnen, die aufgrund ihres Amtes mehrfach ihren Wohnort gewechselt haben (v.a. Staatsdiener), oder Ahnen, die von Berufs wegen ständig ihren Aufenthaltsort wechselten und zusätzlich auch noch anders in den Kirchenregistern vermerkt sind (v.a. Soldaten), als "normale" Personen, wodurch weiterführende Hinweise fehlen. Dadurch müssen bei der Suche nach dem Eheeintrag bzw. den Tauf- und ggf. Totenregistereinträgen dieser Ahnen, ihrer Ehefrauen und der gemeinsamen Kinder die Kirchenregister mehrerer Pfarreien herangezogen werden, wobei in den Registereinträgen eher selten Hinweise auf vorherige Aufenthalts- bzw. auf Herkunftsorte zu finden sind. Andererseits gehören diese besonderen Ahnen einer gesellschaftlichen Gruppe an, zu der teilweise gedruckte Quellen, z.B. Dienerbücher, oder weitere Quellen im Landesarchiv vorhanden sind, aus denen schnell bzw. weitere Informationen zur Biografie gewonnen werden können.
Unter meinen Ahnen zählen u.a. Felix Christian Binder (1668 – 1733), ein Leutnant, und Hans Christoph Binder (1636 – 1686/89), u.a. Geistlicher Verwalter und Amtmann, zu diesen besonderen Ahnen. Auch die Tochter von Felix Christian Binder, Maximiliana Felicitas Binder (1714/18 – nach 1758), ist als Ehefrau zweier Militärangehörigen davon betroffen.

In diesem Dokument sind die Ergebnisse meiner Recherche – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – zusammengestellt. Sie sollen auch anderen "Verwandten" bei ihrer Ahnenforschung behilflich sein.
Alle aufgerührten Personen bzw. kirchliche Handlungen waren, sofern nichts anders angegeben, evangelisch-lutherischer Konfession. Alle Datumsangaben beziehen sich auf den julianischen, ab 1700 auf den gregorianischen Kalender. Der Name Binder taucht in den Quellen auch als Bender, Binter, Pinter o.ä. auf.

Über eine Nachricht von "Verwandten" zwecks Austauschs von Forschungsergebnissen oder Hinweisen auf abweichende Erkenntnisse würde ich mich freuen. Evtl. besitzt auch ein Nachkomme der Binder sogar eine (sehr) alte Familienbibel oder andere Dokumente, aus denen weitere Informationen hervorgehen.

Abkürzungen und genealogische Zeichen

KB = Kirchenbücher
E = Eheregister
Ta = Taufregister
To = Totenregister
HStAS = Hauptstaatsarchiv Stuttgart
SdtA = Stadtarchiv
GA = Gemeindearchiv
S. = Seite
Bl. = Blatt
r = recto, Vorderseite eines Blattes
v = verso, Rückseite eines Blattes
oSz. = ohne Seitenzählung
ebd. = ebenda
s. = siehe
s.a. = siehe auch
s.u. = siehe unten
rk. = römisch-katholisch
∗ = geboren
≈ = getauft
oo = Eheschließung
o-o = uneheliche Verbindung
+ = gestorben
▭ = beerdigt
N.N. = nomen nescio, unbekannter Name
= Quelle / Anmerkung einblenden

Nr. 1: Familie Felix Christian Binder und Anna Maria Schneider

Felix Christian Binder (aus Nr. 2)
≈ 15.11.1668 in Alpirsbach
+ 08.01.1733 in der Festung Hohenasperg, ▭ 12.01.1733 in Asperg
KB Alpirsbach, Ta 1663-1731, Bl. 11v bzw. KB Hohenasperg, To 1721-1788, S. 1 und KB Asperg, To 1693-1760, Bl. 66r.

Wann er in die Armee eintrat ist nicht bekannt. Wahrscheinlich war er in den 1690ern Fourier
Fourier = zuständiger Unteroffizier für Verpflegung, auch für Bekleidung, Ausrüstung und Waffen.
in der baden-durlachischen Leibkompanie des württembergischen Kreisregiments
Kreisregiment = Teil des Truppenkontingents des Schwäbischen Reichskreis für die Reichsarmee des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Als einziger Kreis unterhielt der Schwäbische Kreis seit 1694 ein stehendes Heer, für das die einzelnen Mitglieder des Kreises, v.a. das Herzogtum Württemberg, Kontingente stellten. Die Regimenter bzw. untergeordnete Einheiten wurden meistens nach ihren Kommandierenden (Karl Gustav Prinz von Baden-Durlach, Maximilian Gottlieb Freiherr von Reischach, N.N. Graf von Wittgenstein usw.) benannt. Die baden-durlachischen Leibkompanie ist nicht zu verwechseln mit dem Kontingent, das die Markgrafschaft Baden-Durlach für das Kreisregiment stellte.
zu Fuß.
KB Herrenberg, Ta 1655-1716, S. 293 (1693); HStAS, L6, Bü 1607, Verpflegungstabelle Nr. 124 und Nr. 125 der Leibkompanie, durlachisches Kreisregiment zu Fuß für den Monat März (22.03.1694) bzw. für 01.–12.04.1694 in Nagold, jeweils S. 1; HStAS, L 6, Bü 1608, Zahlungsliste der Leibkompanie, durlachisches Regiment für März 1696 (31.03.1696) in Alpirsbach bzw. für April 1696 (01.05.1696) in Dürrmenz, jeweils S. 1 – eine direkte Verbindung zwischen diesem F.C.B. und dem F.C.B. der 17XXer Jahre ist nicht belegt, kann aber aufgrund der Berufsangabe "weiland Premier-Lieutenant und Compagnie Verwalter unter alt Creys Württemberg" im Hochzeitseintrags seiner Tochter Maximiliana Felicitas vom 10.03.1735 (KB Alpirsbach, E 1663-1808, S. 108) und wegen seines seltenen Namens (vgl. HStAS, A 30 a, Bd. 5, Bl. 30r und ebd., Bd. 7, Bl. 27r = Stammliste der 1691-1751 bzw. 1741-1789 in Württemberg gedienten Offiziere und Militärbeamten; HStAS, L 6, Bü 1800, Lista, wie gesamte Stabs- und Ober-Officiers bei der hochfürstlichen eigenen und Kreismiliz nach beschehenen verschiedenen Veränderungen à 1. November 1728 rangiert worden) als wahrscheinlich betrachtet werden.
Am 24.03.1709 wird er als Fähnrich in der Leibkompanie des Kreisregiments Reischach erwähnt,
KB Alpirsbach, Ta 1663-1731, Bl. 108v.
ab Juli 1709 war er Leutnant im württembergischen Kreisregiment zu Fuß, Kompanie Alt-Reischach, wo er auch die nächsten Jahre diente.
HStAS, A 5, Bü 36, Nr. 47b, Bl. 1v; KB Baiersbronn, Ta 1676-1753, oSz (14.10.1713) und KB Alpirsbach, Ta 1663-1731, Bl. 110v und 118r sowie, HStAS, L 6, Bü 1741, Abrechnungen der Hausmannskostportionen des württembergischen Kreisregiment zu Fuß, Kompanie Reischach, mit Stadt und Amt Herrenberg für November und Dezember 1712, sowie Januar bis April 1713, jeweils S. 1; HStAS, L 6, Bü 1790, Liquidato der Alt-Reischachischen Kompanie der württembergischen Kreisregiments zu Fuß mit Stadt und Amt Vaihingen über Brotportionen, mit Quartierorten, für Juni, Juli, August und September 1715, jeweils Bl. 2r; ebd., Bü 1791, Liquidato … (wie eben), für Februar und März 1716, jeweils Bl. 2r; ebd., Bü 1790, Liste über das von Stadt und Amt Vaihingen erhaltene und an die Ober-Offiziere der Kompanie Reischach ausbezahlte Quartiergeld für die sechs Sommermonate 1715; ebd., Bü 1790, Abrechnung der Brot- und Pferdportionen des herzoglichen Kreisregiments zu Fuß (mit diversen Amtspflegern) vom 01.05. bis 31.10.1715, Bl. 6v; ebd., Bü 1791, Liste über das von Stadt und Amt Vaihingen erhaltene und an die Ober-Offiziere der Kompanie Reischach ausbezahlte Quartiergeld für 10. November 1715 bis ultimo April 1716.
Im September 1719 wurde er als Sous-Lieutenant
Sous-Lieutenant = Unterleutnant, Verwendung vermutlich nur, wenn ein weiterer Leutnant, also ein Premier-Lieutenant (= Oberleutnant), in derselben Einheit diente (vgl. Muster- und Proviantlisten in HStAS, L 6, Bü 1791), Premier- und Sous- bzw. Sec.-Lieutenant waren also eher Funktionen, keine militärischen Ränge, was erklärt, warum Binder als Sous- bzw. Premier-Lieutenant, später aber wieder nur als Lieutenant bezeichnet wird.
innerhalb des Kreisregiments von der Alt-Reischachischen Kompanie zur Kompanie des Majors Biedefeld versetzt,
HStAS, A 5 Bü 37, Nr. 157, S. 3.
wo er auch noch Ende der 1720er diente.
HStAS, L 6, Bü 1800, Lista, wie gesamte Stabs- und Ober-Officiers bei der hochfürstlichen eigenen und Kreismiliz nach beschehenen verschiedenen Veränderungen à 1. November 1728 rangiert worden, Bl. 8r.
Anfang der 1730ern war er Premier-Lieutenant
Premier-Lieutenant (= Oberleutnant), Verwendung vermutlich nur, wenn ein weiterer Leutnant, also ein Sous-Lieutenant (= Unterleutnant), in derselben Einheit vorhanden war (vgl. Muster- und Proviantlisten in HStAS, L 6, Bü 1791), Premier- und Sous- bzw. Sec.-Lieutenant waren also eher Funktionen, keine militärischen Ränge, was erklärt, warum Binder als Sous- bzw. Premier-Lieutenant, später aber wieder nur als Lieutenant bezeichnet wird.
im württembergischen Kreisregiment zu Fuß unter Oberstleutnant Graf von Wittgenstein, Kompanie des Majors Roth. Zuletzt war er in der Festung Hohenasperg stationiert.
HStAS, A 30 a, Bd. 5, Bl. 30r und ebd., Bd. 7, Bl. 27r sowie HStAS, L 6, Bü 1801, Extracuts, außer nachstehenden Zahlungslisten beim württembergischen Kreisregiment zu Fuß vom 1. November 1731 bis alt April 1732, Bl. 3r und KB Hohenasperg, To 1721-1788, S. 1.

Einer seiner Taufpaten war Hans Jakob Schneider, Stabsvogt in Rötenbach (∗ um 1610, + 12.02.1704 in Rötenbach
KB Alpirsbach, To 1687-1708, S. 51.
), ein Großvater seiner späteren Ehefrau. Deshalb sind ein engerer Kontakt zur Familie Schneider und gelegentliche Besuche in Rötenbach, auch nachdem Binders Vater nach St. Georgen versetzt wurde bzw. verstorben war (siehe Nr. 2), anzunehmen, woraus wahrscheinlich die Verbindung zu Anna Maria Schneider entstanden ist.
oo unbekannt (zwischen 07.12.1709 und 26.12.1711)
Vgl. Angaben zu seinen ersten beiden Kindern. Hochzeitseintrag bisher nicht gefunden (Details auf Nachfrage).
Anna Maria Schneider
∗ in Rötenbach, ≈ 13.03.1688 in Alpirsbach
+ 17.12.1757 in Rötenbach
KB Alpirsbach, Ta 1663-1731, Bl. 39r bzw. KB Alpirsbach, To 1732-1808, S. 100.

Tochter von Andreas Schneider (∗ 16.10.1660 in Rötenbach, + 06.04.1740 ebd.
KB Alpirsbach, Ta 1639-1663, S. 91 bzw. KB Alpirsbach, To 1732-1808, S. 44.
), Bäcker und Stabsvogt in Rötenbach, und Anna Katharina Adrion (∗ 02.02.1662 in Rötenbach, + 30.01.1728 ebd.
KB Alpirsbach, Ta 1639-1663, S. 96 bzw. KB Alpirsbach, To 1691-1738, S. 153.
), oo 24.05.1687 in Alpirsbach
KB Alpirsbach, E 1663-1808, S. 18.


Bekannte Kinder:
1Felix Christian Binder
∗ 07.12.1709 in Rötenbach, unehelich geboren, "ist ehelich gemacht worden"
KB Alpirsbach, Ta 1663-1731, Bl. 109v.

+ 04.08.1741 in Nagold
Stadt- und Amtssubstitut in Nagold, 1736 Skribent
Skribent = Schreiber.
in Nagold.
o-o 1736 in Nagold mit Barbara Raisch
oo 25.04.1739 in Nagold mit Johanna Gänßlen
Oertel, Burkhart: Ortssippenbuch der Oberamtsstadt Nagold, Kreis Calw in Württemberg. 1. Die Kernstadt 1560 – 1910. Neubiberg 1991, S. 33, Nr. 370f – für weitere Angaben siehe dort.
2Johann Andreas Binder
∗ 26.12.1711 in Rötenbach, ehelich geboren
KB Alpirsbach, Ta 1663-1731, Bl. 118r.

+ 17.07.1769 in Stuttgart
KB Stuttgart Stiftskirche, To 1767-1784, Bl. 31v.

Stadtchirurg in Stuttgart. Ab 05.07.1746 einer von zweien Vorsteher der Chirurgen und Bader, ab 04.04.1748 Chirurgus Juratus Adjunctus
Gehilfe des Prüfers der angehenden Chirurgen.
, ab 07.09.1753 zweiter Chirurgus Juratus, nach dem Tod seines Vorgängers im April 1764 spätestens ab Mai erster Chirurgus Juratus.
SdtA Alpirsbach, GA Rötenbach, AI 46, Nr. 344 (= Inventur und Realteilung von Anna Maria Schneider vom 27.04.1758), Bl. 1v; HStAS, A 282, Bü 1324, Nr. 122, Protocollum Actum 5. July 1746, S. 3f und Nr. 123, S. 3.; ebd., Nr. 110 und Nr. 112; ebd. Nr. 116 und Nr. 117; ebd., Nr. 133 und KB Stuttgart Stiftskirche, To 1747-1766, Bl. 244r. KB Untertürkheim, E 1694-1794, Bl. 174v.

oo 30.07.1761 in Untertürkheim mit Elisabetha Catharina N.N., Witwe des Regimentfeldschers
Feldscher = Wundarzt beim Militär, Vorläufer des heutigen Truppenarztes.
N.N. Tischendorff.
KB Untertürkheim, E 1694-1794, Bl. 174v.
3Maria Margaretha Binder
∗ 14.10.1713 im Feldlager "beym Rothen Wässerlein" in Baiersbronn
+ 03.01.1791 in Rötenbach an einem Schlag
Aus ihrem Todeseintrag: "Sie erlebte von 6 verehlichten Söhnen 44 Enkel, wovon 18 +, Urenkel 11 wovon 2 +".
KB Baiersbronn, Ta 1676-1753, oSz (14.10.1713) bzw. KB Alpirsbach, To 1732-1808, S. 205.

oo 21.06.1734 in Alpirsbach mit Hans Jerg Krötz,
KB Alpirsbach, E 1663-1808, S. 107.
Stabsvogt in Rötenbach (* 01.04.1713 in Rötenbach, + 02.10.1788 ebd. an Wassersucht
KB Alpirsbach, Ta 1663-1731, Bl. 123v bzw. KB Alpirsbach, To 1732-1808, S. 196.
).
4Maximiliana Felicitas Binder
∗ unbekannt (zwischen 1714 und 1718)
Bei ihrer Hochzeit war sie mindestens 14, also vor 1721 geboren. Aufgrund der Geburten ihrer Geschwister und nach Berechnung möglicher Geburtstermine ist ihr Geburtstag in den Jahren 1714 bis 1718 wahrscheinlich. Im Taufregister von Alpirsbach findet sich im besagten Zeitraum kein Eintrag.

+ unbekannt (nach 27.04.1758
In der Inventur und Realteilung der Mutter erwähnt. SdtA Alpirsbach, GA Rötenbach, AI 46, Nr. 344, Bl. 1v.
)
seit 22.12.1741 rk.
oo I. 10.03.1735 katholisch in Alpirsbach mit Matthäus (Matthias) Rampler
Sein Vater (+ vor 10.03.1735), dessen Vorname in der Quelle nicht angegeben ist, war Regimentsfeldscher im alt Stahrenbergischen Regiment.
, rk., Feldscher bei der Leibkompanie des Regiments unter General Roth.
Für die katholische Hochzeit in der evangelischen Klosterkirche erhielt das Brautpaar eine Ausnahmegenehmigung, was auch im Eheeintrag vermerkt wurde. Dieser beginnt mit "Den 10. März sind nach durch die würdigste Obrigkeit gewährte Bewilligung ehrenvoll priesterlich verheiratet worden".
KB Alpirsbach, E 1663-1808, S. 108 – das Zitat im Original: "Den 10. Martii seind ex concessione dignissimi domino decori priesterlich copuliert worden …", Randbemerkung "Hochzeit pontificio religionis".

Woher sich die Eheleute kannten, ist unklar. Möglicherweise kannten sich die Väter, da sowohl das württembergische Bataillon des Schwäbischen Kreises, in dem Felix Christian Binder diente, als auch das kaiserliche Regiment Max Stahrenberg, in dem Ramplers Vater Regimentsfeldscher gewesen war, im Mai 1715 in der Festung Kehl stationiert war.
HStAS, A 30 a, Bü 230.
Möglicherweise hielten die Väter seither Kontakt zueinander.
Das Ehepaar scheint nach 1738 aus dem Alpirsbacher Kirchspiel weggezogen zu sein. Es finden sich nur noch zwei Einträge in den Kirchenbüchern, nämlich der Tauf- und der Todeseintrag für ihre Tochter Justina Elisabeth, die am 10.06.1738 in Rötenbach geboren wurde, aber nur wenige Stunden später verstarb.
KB Alpirsbach, Ta 1732-1804, S. 80 und To 1732-1808, S. 36 – die Konfession des Vaters ist im Taufeintrag mit "pontificio", die der Mutter mit "lutherisch" angegeben.

Möglicherweise gehörte Rampler zu einer Einheit, die während des Türkenkrieges 1736 bis 1739 nach Ungarn zog und sich auch danach noch dort aufhielt. Für den 06.08.1740 ist der Aufenthalt des Ehepaares in Mocsa im nordwestlichen Ungarn durch den Taufeintrag der Tochter Maria Anna Regina belegt
Egyházmegyei Levéltár Győr (Diözesanarchiv Raab), Pfarrarchiv Mocsa, Tauf-Trauungsmatrikel (Mischbuch) I. 1700-1761, Bl. 144r – die Zuordnung ist eindeutig, als Eltern sind "Mathias Rampler [und] Maximiliana Felicitas Pinterin" angegeben.
Außerdem soll sich zumindest Maximiliana Felicitas in Znaim in Südmähren
Znaim = Znojmo in Tschechien, nahe der Grenze zu Niederösterreich.
aufgehalten haben, wo sie am 22.12.1741 im Kloster der Franziskaner-Reformaten zum katholischen Glauben übergetreten war.
KB Wittichen, E 1737-1836, S. 8 – ihr Übertritt ist in ihrem Eheeintrag 1752 erwähnt.

oo II. unbekannt mit Johannes Füchtner, Konfession unbekannt, Korporal
KB Wittichen, E 1737-1836, S. 8 – im Eheeintrag seiner Witwe 1752 angegeben.
oo III. 02.05.1752 katholisch in Wittichen
Wittichen = Pfarrei im gleichnamigen Tal und Ortsteil von Kaltbrunn (heute Teil von Schenkenzell).
mit Gabriel Haberer (Häberer), rk., Bürger und Schmied "in den Gruben" (Bergschmied) in Wittichen
KB Wittichen, E 1737-1836, S. 8 – auch hier ist die Zuordnung eindeutig, im Eheeintrag sind auch der erste Ehemann "Matthias Rampler" und der Vater "Christian Felix Bender" angegeben. Gabriel Haberer ist auch in SdtA Alpirsbach, GA Rötenbach, AI 46, Nr. 344, Bl. 1v als Ehemann erwähnt.
(* um 1725, + 11.01.1787 in Wittichen
KB Wittichen, To 1737-1836, S. 33.
)
5Maria Katharina Binder
≈ 12.01.1719 in der Festung Kehl
KB Kehl Militärgemeinde, Ta 1717-1747, Bl. 2r; Festung Kehl = Festung am Rhein gegenüber von Straßburg.

+ unbekannt
Sie wanderte um 1750 ledigen Standes nach Pennsylvania (Nordamerika) aus.
SdtA Alpirsbach, GA Rötenbach, AI 46, Nr. 344, Bl. 1v.
6Margaretha Sophia Binder
≈ 28.07.1721 in der Festung Kehl
KB Kehl Militärgemeinde, Ta 1717-1747, Bl. 4r.

+ unbekannt (nach 27.04.1758
In der Inventur und Realteilung der Mutter erwähnt. SdtA Alpirsbach, GA Rötenbach, AI 46, Nr. 344, Bl. 1v.
)
oo 18.06.1754 in Alpirsbach mit Johann Andreas Liebmann,
KB Alpirsbach, E 1663-1808, S. 148.
Bergschmied in Wittichen
SdtA Alpirsbach, GA Rötenbach, AI 46, Nr. 344, Bl. 1v.
7Johann Franz Binder
≈ 02.02.1724 in der Festung Kehl
KB Kehl Militärgemeinde, Ta 1717-1747, Bl. 5v – in der Kopfzeile des Seite steht "1725", Bl. 5r ist jedoch 1723, in der Kopfzeile von Bl. 6r steht "1724" auf der Seitenmitte folgt "Anno 1725", es ist deshalb sehr wahrscheinlich, dass die Angabe auf Bl. 5v falsch und das die oberen Einträge tatsächlich aus 1723, der Rest der Seite aus 1724 ist.

+ 18.08.1731 in Rötenbach
Er war laut Todeseintrag Christian Felix Binders jüngster Sohn.
KB Alpirsbach, To 1708-1731, S. 166.

Nr. 2: Familie Hans Christoph Binder und Anna Margaretha Lebeisen

Hans Christoph "Johann Christoph" Binder
Er wird in seinem Taufeintrag "Hans Christoph" genannt. In einzelnen von ihm verfassten Dokumenten unterschreibt er mit "Hans Christoph Binder" oder nur mit "Christoph Binder". In den meisten Unterlagen, die von anderen verfasst wurden, wird sein Name jedoch mit "Johann Christoph Binder" angegeben.
(aus Nr. 3)
≈ 12.02.1636 in Balingen
KB Balingen, Ta 1577-1639, S. 818 und KB Balingen, Ta 1577-1639 (Renovatio 1825), S. 761.

+ unbekannt (zwischen 23.04.1686 und 19.11.1689, wahrscheinlich in St. Georgen)
Er trat am 23.04.1686 in den Ruhestand. Im Hochzeitseintrag seiner Tochter Agnes Margaretha vom 19.11.1689 wird er als "Johann Christoph Binder, Amtmann zu St. Jergen selig" angegeben (KB Stuttgart Stiftskirche, E 1669-1698, S. 386) – in St. Georgen gingen die Kirchenbücher beim Franzoseneinfall 1704 während des Spanischen Erbfolgekrieges verloren.

Er war vor 1663 schon einige Jahre bei verschiedenen Stäben und Ämtern als Skribent tätig.
HStAS, A 284/19, Bü 4, d, Nr. 4, S. 4 – in diesem Schreiben ist auch sein Vater erwähnt.
Im Laufe der Zeit hatte er bereits mehrmals erfolglos beim Herzog um eine Beamtenstelle gebeten. Nachdem er erfahren hatte, dass die Geistliche Verwaltung Calw umorganisiert werden sollte, bewarb er sich auf diese Stelle.
HStAS, A 284/19, Bü 4, d, Nr. 3, S. 2.
Binder wird in seinem Hochzeitseintrag vom 25.05.1663 als "Verwalter zu Callw" bezeichnet,
KB Herrenberg, E 1655-1716, S. 441.
woraus geschlossen werden kann, dass er bereits bei besagter Verwaltung in Calw arbeitete, vermutlich als Skribent, weshalb er auch über die Veränderungen in Calw gut informiert war. Als die normalerweise bestehende Einheit von Vogtei und Geistlicher Verwaltung aufgelöst wurde und sich außerdem kein anderer wegen der geringen Besoldung auf die Stelle beworben hatte, wurde Binder, der wohl über ein gewisses Vermögen verfügte und über den – wie auch über seinen Vater – die württembergischen Kirchenräte positiv berichteten, zum 11.07.1663 zum Geistlichen Verwalter in Calw ernannt.
HStAS, A 284/19, Bü 4, d, Nr. 4, S. 4 – vgl. auch HStAS, A 17, Bü 15, Bl. 483r (= Fürstlich Württembergisches Dienerbuch 1608-1628, mit Ergänzungen bis etwa 1805) und Pfeilsticker, Walther: Neues württembergisches Dienerbuch. 2. Ämter, Klöster. Stuttgart 1963, § 2280 – bei Pfeilsticker ist als nächster Dienstort "Unterkirchheim" anstelle von Untertürkheim angegeben, mögliche Fehlerursache: auf Bl. 483r kann "Under Türckheimb" u.U. auch als "Under Kürchheimb" gelesen werden.
Ab 11.11.1666 war er als Reisiger Schultheiß
Reisiger Schultheiß = Ortsvorsteher, der für dienstliche Zwecke (z.B. Einsammeln von Abgaben, Grenzüberwachung, auch militärische Aufgaben) ein Pferd halten musste.
in Untertürkheim tätig.
HStAS, A 284/19, Bü 4, d, "Deckblatt" und Pfeilsticker 2, § 2302.
Da er jedoch im Schwarzwald einige Güter besaß und der Geistliche Verwalter und Amtsschreiber von Alpirsbach, Besitzungen bei Untertürkheim hatte, baten sie darum, ihre Dienststellen tauschen zu dürfen.
HStAS, A 284/3, Bü 45, Nr. 1, S. 1.
Binder wurde daraufhin am 14.08.1667 als Geistlicher Verwalter und Amtsschreiber in Alpirsbach vereidigt.
HStAS, A 284/3, Bü 45, Nr. 1, S. 2 – in HStAS, A 17, Bü 15, Bl. 278v steht, dass er bereits im März 1667 das Amt in Alpirsbach inne gehabt hätte. Wie es zu dieser Angabe kam, lässt sich nicht nachvollziehen. Der 14.08.1667 wird als authentisch angesehen, zumal das Dokument, in dem die Bitte um einen Stellentausch vermerkt ist, vom 05.08.1667 datiert – laut Pfeilsticker 2, § 3358 und 3395 soll Binder auch Geistlicher Verwalter und Amtsschreiber in Hirsau gewesen sein, in den entsprechenden Quellen (HStAS, A 284/41/42 und HStAS, A 17, Bü 15, Bl. 325v und 326r) ist er jedoch nicht erwähnt, zumal bei Pfeilsticker 2, § 3396 für den fraglichen Zeitraum selbst andere Personen angegeben sind.
Nachdem er dort 16 Jahre lang tätig war, bat er den Herzog um eine bessere Besoldung. In einem Brief vom 23.06.1683 an diesen beschreibt er die schlechte Bezahlung und Bedingungen der Stelle, hebt seine Leistungen hervor und stellt die damit verbundenen Gefahren dar.
HStAS, A 284/3, Bü 45, Nr. 2.
Da er auch weiterhin um eine bessere Stelle bemühte, wurde er, als die Stelle des Amtmanns und Klosterverwalters in St. Georgen freigeworden war, schließlich berücksichtigt. Auch diesmal bescheinigten ihm die Kirchenräte ein gutes Verhalten und gute Leistungen und schlugen dem Herzog vor, Binder auf die Stelle in St. Georgen zu ernennen,
HStAS, A 284/30, Bü 27, q, Nr. 4, S. 2f.
was schließlich auch zum 27.05.1684 geschah.
HStAS, A 284/30, Bü 27, q, Nr. 4, S. 1; HStAS, A 17, Bü 15, Bl. 391v; HStAS, A 284/30, Bü 27, q, "Deckblatt" (= St. Georgen: Klosterverwaltung und Forstverwaltung) und Pfeilsticker 2, § 3358.
Diese Stelle verrichtete er noch etwa zwei Jahre, bis er schließlich am 23.04.1686 in den Ruhestand trat.
HStAS, A 17, Bü 15, Bl. 391v; HStAS, A 284/30, Bü 27, q, "Deckblatt" und Pfeilsticker 2, § 3358.
Schreiben von Hans Christoph Binder an Herzog Eberhard III. von Württemberg vom 25. Juni 1663,
Bewerbung um die Geistliche Verwaltung Calw

Quelle: HStAS, A 284/19, Bü 4, d, Nr. 3
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Schreiben der Kirchenräte an Herzog Eberhard III. von Württemberg vom 26. Juni 1663 betreffs der
Ernennung Hans Christoph Binders auf die Geistliche Verwaltung Calw, Antwort des Herzogs vom 30. Juni 1663,
Trennung der Vogtei von der Geistlichen Verwaltung, Ernennung Binders zum 11. Juli 1663

Quelle: HStAS, A 284/19, Bü 4, d, Nr. 4 Schreiben von Hans Christoph Binder, Geistlicher Verwalter, Amt- und Gegenschreiber des Klosters Alpirsbach,
an Herzog Friedrich Karl, Administrator von Württemberg, vom 23. Juni 1683,
Bitte um bessere Besoldung, mit Beschreibung der Hintergründe

Quelle: HStAS, A 284/3, Bü 45, Nr. 2
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Schreiben der Kirchenräte an Herzog Friedrich Karl, Administrator von Württemberg, vom 29. April 1684 betreffs
der Besetzung der Amtmannsstelle in St. Georgen, Ernennung von Hans Christoph Binder zum 27. Mai 1684

Quelle: HStAS, A 284/30, Bü 27, q, Nr. 4
oo 25.05.1663 in Herrenberg
KB Herrenberg, E 1655-1716, S. 441.
Anna Margaretha Lebeisen
≈ 08.01.1640 in Herrenberg
KB Herrenberg, Ta 1639-1653, S. 4.

+ unbekannt (nach 27.05.1684, wahrscheinlich in St. Georgen
Kein Todeseintrag in Alpirsbach – in St. Georgen gingen die Kirchenbücher beim Franzoseneinfall 1704 während des Spanischen Erbfolgekrieges verloren.
)
Tochter von Daniel Lebeisen, 1638 bis 1663 Stifts- und Geistlicher Verwalter in Herrenberg, und Margretha N.N.
Die Ehefrau wird in allen Einträgen "Margretha" genannt, lediglich im Eintrag von 08.01.1640 ist sie mit "Anna Margretha" angeben, was evtl. mit dem Namen der Tochter verwechselt wurde. KB Herrenberg, Ta 1558-1638, S. 412 und 414 sowie KB Herrenberg, Ta 1639-1653, S. 4, 21, 23, 34 und 45; vgl. Pfeilsticker 2, § 2420 und Georgii-Georgenau, Eberhard Emil von (Hrsg.): Fürstlich Württembergisch Dienerbuch vom IX. bis zum XIX. Jahrhundert. Stuttgart 1877, S. 454.


Bekannte Kinder:
1Agnes Margaretha Binder
* unbekannt (vor 1668, wahrscheinlich in Calw, evtl. in Untertürkeim)
Sie wird am 11.12.1682 in Alpirsbach als Patin genannt (KB Alpirsbach, Ta 1663-1731, Bl. 30r), war zu dem Zeitpunkt also mindestens 14 Jahre alt. Kein Taufeintrag 1667/68 in Alpirsbach. Die Taufregister von Calw sind erst ab 1692, die Kirchenbücher von Untertürkeim erst ab 1694 überliefert, auch hier sind kriegsbedingte Verluste (Franzoseneinfall während des Pfälzischen Erbfolgekrieges) anzunehmen.

+ unbekannt (nach 02.02.1718)
oo 19.11.1689 in Stuttgart mit Johann Belling,
KB Stuttgart Stiftskirche, E 1669-1698, S. 386.
ab 1684 Vikar in Kaltenwesten
Kaltenwesten = bis zum 27.08.1884 Name von Neckarwestheim.
, ab 1685 Pfarrer in Hausen ob Verena, ab 1690 in Uhlbach, 1698 bis1716 in Scharnhausen (* 02.12.1654 Cannstatt, + 02.02.1718 Scharnhausen)
Nach dem Tod ihres Mannes scheint Agnes Margaretha von Scharnhausen weggezogen zu sein, evtl. hat sie an einem anderen Ort erneut geheiratet.
Vgl. www.wkgo.de/personen/suchedetail?sw=gnd:GNDPFB459 (= Württembergische Kirchengeschichte Online: Pfarrerbuch Herzogtum Württemberg, Ordnungsnr. 460, Aufruf 20.01.2017) – keine Inventuren und Teilungen von Johann Belling oder seiner Ehefrau im Stadtarchiv Ostfildern gefunden (Überlieferungslücke!), keinen Todeseintrag von Agnes Margaretha zwischen 1709 und 1742 in den Totenregistern von Scharnhausen, kein Eintrag über eine zweite Ehe von ihr zwischen 1718 und 1743 im Eheregister von Scharnhausen.
2Felix Christian Binder (s. Nr. 1)
≈ 15.11.1668 in Alpirsbach (Zwilling)
3Felicitas Christina Binder
≈ 15.11.1668 in Alpirsbach (Zwilling)
▭ 04.12.1668 in Alpirsbach
KB Alpirsbach, Ta 1663-1731, Bl. 11v bzw. KB Alpirsbach, To 1664-1669, S. 8.
4Maria Salome Binder
≈ 24.10.1670 in Alpirsbach
▭ 11.03.1671 in Alpirsbach
KB Alpirsbach, Ta 1663-1731, Bl. 14r bzw. KB Alpirsbach, To 1669-1687, S. 70.
5ein totgeborenes Mädchen
▭ 26.04.1672 in Alpirsbach
KB Alpirsbach, To 1669-1687, S. 71.
6Maria Katharina Binder
≈ 07.05.1673 in Alpirsbach
KB Alpirsbach, Ta 1663-1731, Bl. 16r.

+ unbekannt
7Georg Thomas Binder
≈ 15.10.1675 in Alpirsbach
+ 30.01.1676 in Alpirsbach
KB Alpirsbach, Ta 1663-1731, Bl. 19v bzw. KB Alpirsbach, To 1669-1687, S. 75.
8Juliana Sophia Binder
≈ 16.02.1677 in Alpirsbach
KB Alpirsbach, Ta 1663-1731, Bl. 21r.

+ unbekannt
oo 17.02.1705 in Scharnhausen mit Wilhelm Sontag, Sohn von Michael Sontag, Bäcker in Eningen unter Achalm
KB Scharnhausen, E 1611-1743, oSz (17.02.1705).

Nr. 3: Familie Thomas Binder und Agnes Wild

Thomas Binder (aus Nr. 4)
≈ 24.03.1607 in Balingen
KB Balingen, Ta 1577-1639, S. 369 und KB Balingen, Ta 1577-1639 (Renovatio 1825), S. 380.

+ unbekannt (vor 20.09.1651, wahrscheinlich in Balingen
Pfeilsticker 2, § 2166: "und ist tot 20.09.1651" (im Eheeintrag des Sohnes Hans Christoph vom 25.05.1663 als verstorben angegeben), Überlieferung der Balinger Totenregister erst ab 1716.
)
Er wurde am 23.04.1633 württembergischer Vogt zu Neusteußlingen,
HStAS, A 17, Bü 15, Bl. 627r – Neusteußlingen = Schloss in Ennahofen (1977 nach Schelklingen-Hütten umgemeindet), Sitz des Vogtes des Amts Steußlingen.
bis ihn die Katholiken 1635 entließen.
Pfeilsticker 2, § 2797 – wahrscheinlich als Folge der politischen Lage: nach der Niederlage der Protestanten in der Schlacht bei Nördlingen am 06.09.1634 während des Dreißigjährigen Krieges verlor der württembergische Herzog die Kontrolle über große Teile seines Territoriums.
Ab 1636 hielt er sich, zuerst ohne Amt, in Balingen auf.
Im Taufeintrag seines Sohnes Hans Christoph vom 12.02.1636 (KB Balingen, Ta 1577-1639, S. 818) wird er als "Thomas Binder, gewesener fürstlich württembergischer Vogt zu Neuensteußlingen" bezeichnet.
1640 und 1646 wird er dort als Heiligeninspektor
Heiligeninspektor = bis etwa Mitte des 17. Jh. die Bezeichnung für den Heiligenvogt in Balingen, der das vereinte Kirchenvermögen der 22 Orte des Amtes Balingen, ausgenommen von Balingen selbst, verwaltete.
, 1646 auch als Stadtschreiber genannt.
KB Balingen, Ta 1639-1727, S. 5 und 121 – wann genau Binder dieses Amt inne hatte, ist unklar, da er in den meisten Taufeinträgen (als Vater oder Pate) nur als "Herr Thomas Binder" bezeichnet wird, erst sein Amt des Untervogts ist durchgehend angegeben, vgl. KB Balingen, Ta 1577-1639, S. 818, 843 und 862 sowie KB Balingen, Ta 1639-1727, S. 5, 39, 56, 81, 97, 117, 119, 121, 127, 132, 140, 147, 149, 150, 152, 154, 158, 162 und 170.
Vom 11.12.1648 bis zum 23.04.1650 war Untervogt und Keller
Keller = fürstlicher Verwalter, v.a. für die Eintreibung der Geld- und Naturalabgaben verantwortlich.
in Balingen,
HStAS, A 17, Bü 15, Bl. 446r und Pfeilsticker 2, § 2166, vgl. Faber, Ferdinand Friedrich: Die württembergischen Familien-Stiftungen. Nebst genealogischen Nachrichten über die zu denselben berechtigten Familien. Bd. 6. […] 23. Platz-Hermann'sche Stiftung […]. Stuttgart 1940, § 45.
wo er gute Dienste leistete.
HStAS, A 284/19, Bü 4, d, Nr. 4, S. 4.
oo unbekannt (vor 1636)
Agnes Wild
≈ 06.02.1609 in Balingen
KB Balingen, Ta 1577-1639, S. 403 und KB Balingen, Ta 1577-1639 (Renovatio 1825), S. 407.

+ unbekannt
Tochter von Johannes Wild und Maria N.N.
www.wkgo.de/personen/suchedetail?sw=gnd:GNDPFB655 (Ordnungsnr. 656, Aufruf 20.01.2017).


Bekannte Kinder:
1Hans Christoph Binder (s. Nr. 2)
≈ 12.02.1636 in Balingen
2Ursula Maria Binder
≈ 02.02.1638 in Balingen
KB Balingen, Ta 1577-1639, S. 843 (irrtümlich "2. Jan." angegeben, aus der Reihenfolge ist aber Februar eindeutig) und KB Balingen, Ta 1577-1639 (Renovatio 1825), S. 776.

+ unbekannt
3Agnes Katharina Binder
≈ 21.01.1640 in Balingen
KB Balingen, Ta 1639-1727, S. 5 und KB Balingen, Ta 1639-1727 (Renovatio 1825), S. 5.

+ unbekannt
4Anna Rosina Binder
≈ 28.12.1641 in Balingen
KB Balingen, Ta 1639-1727, S. 39 und KB Balingen, Ta 1639-1727 (Renovatio 1825), S. 25.

+ unbekannt
5Thomas Binder
≈ 07.07.1644 in Balingen
KB Balingen, Ta 1639-1727, S. 81 und KB Balingen, Ta 1639-1727 (Renovatio 1825), S. 52.

+ 03.05.1693 in Schwenningen
Ab 1674 Pfarrer in Aldingen
Aldingen = Aldingen, Lkr. Tuttlingen.
, ab 1685 in Schwenningen.
www.wkgo.de/personen/suchedetail?sw=gnd:GNDPFB687 (Ordnungsnr. 688, Aufruf 20.01.2017) und Faber, 23/73.
6Johannes Georg Binder
≈ 21.09.1646 in Balingen
KB Balingen, Ta 1639-1727, S. 117 und KB Balingen, Ta 1639-1727 (Renovatio 1825), S. 77.

▭ 29.10.1718 in Balingen
Kaufmann
KB Balingen, To 1716-1796, S. 5, s.a. Faber, 23/72.

Nr. 4: Christoph Binder (1576 – 1631) und Ursula Scheihing

Christoph Binder (aus Nr. 5)
≈ 23.10.1576 in Göppingen
KB Göppingen, Ta 1558-1639, oSz (23.10.1576) – im Taufeintrag ist keine Mutter angegeben.

+ 23.03.1631 in Tuttlingen
Bei Sigel war ursprünglich ein anderes Todesdatum angegeben (07.08.1635). Beide Todesdaten lassen sich nicht überprüfen, da die Tuttlinger To erst ab 1661 überliefert sind. Nach Sigel, Christian: Das evangelische Württemberg. Seine Kirchenstellen und Geistlichen von der Reformation an bis auf die Gegenwart. Ein Nachschlagewerk. Bd. 7. Schmiden bis Tuttlingen. o.O. 1917, S. 1047 (= digital.wlb-stuttgart.de/purl/bsz456267212/page/507, 20.01.2017) hatte Binders Nachfolger das Amt seit 1631 inne, so dass das Todesdatum 23.03.1631 wahrscheinlich ist.

Am 08.01.1595 immatrikulierte er sich an der Universität Tübingen, wo er am 15.04.1595 den Bakkalaureus, am 19.11.1596 ein Stipendium und am 09.08.1598 den Magister erhielt. Danach war er als Repetent (wohl in Tübingen) tätig. Von Juli bis Oktober 1604 war er Vikar in Regensburg
Vgl. Biografie seines Vaters (Nr. 5).
, ab 14.11.1604 Diakon in Balingen, ab 1608 Pfarrer in Holzelfingen, ab 1617 Dekan und Stadtpfarrer in Sulz am Neckar und schließlich ab 1621 bis zu seinem Tod Dekan und Stadtpfarrer in Tuttlingen.
oo unbekannt (vor 1606)
Ursula Scheihing
∗ unbekannt
+ unbekannt
Sigel […]. Generalmagisterbuch: Mitteilungen aus dem Leben der evangelischen Geistlichen von der Reformation an bis auf die Gegenwart. […] Bd. 10. Abel bis Cyrus. O.O. 1931, S. 348 (= digital.wlb-stuttgart.de/purl/bsz456286985/page/351, Aufruf 20.01.2017) und www.wkgo.de/personen/suchedetail?sw=gnd:GNDPFB655 (Ordnungsnr. 656, Aufruf 20.01.2017), s.a. Faber, 23/27.
Eines der Kinder war Thomas Binder (s. Nr. 3).
Im Fürstlich Württembergischen Dienerbuch 1608-1628 hat ein zweiter Schreiber (also nicht der ursprüngliche Schreiber) auf den Seiten, auf denen die Vögte von Steußlingen bzw. die Untervögte von Balingen aufgelistet sind, nachträglich eingetragen, dass der Vater von Thomas Binder (s. Nr. 3) "Specialis zu Balingen, nachgehend Abbts zu Adelberg" gewesen sei (HStAS, A 17, Bü 15, Bl. 446r und 627r). Diese Angaben sind dann auch bei Pfeilsticker zu finden (Pfeilsticker 2, § 2166 und 2797), sie sind jedoch falsch! Tatsächlich ist in Thomas Binders Taufeintrag in Balingen als Vater angegeben: "Christopherus Binder, Diakon allhier" (KB Balingen, Ta 1577-1639, S. 369 und KB Balingen, Ta 1577-1639 (Renovatio 1825), S. 380). Christoph Binder, der Abt von Adelberg, war Thomas Binders der Urgroßvater (vgl. Nr. 6).

Da zu diesem Christoph Binder und seine Vorfahren im Mannesstamm gute Sekundärquellen existieren, wird ab hier auf die Auflistung der Kinder wie bei den vorherigen Familien verzichtet.

Nr. 5: Christoph Binder (1553 – 1623) und Gertrud Stadler

Christoph Binder (aus Nr. 6)
∗ 28.01.1553 in Grötzingen
Grötzingen = Grötzingen (Aichtal), Lkr. Esslingen.

▭ 17.12.1623 in Löchgau
KB Löchgau, To 1593-1679, S. 271.

Am 30.10.1568 immatrikulierte er sich an der Universität Tübingen, wo er am 30.03.1569 den Bakkalaureus, im April 1569 ein Stipendium und am 13.08.1572 den Magister erhielt. Ab April 1575 war er erster Diakon in Göppingen, ab Juni 1578 Pfarrer in Neckarhausen, 1586 bis 1611 Geistlicher und Senior der evangelischen Pfarrei von Regensburg, ab 1612 Pfarrer in Winterbach und schließlich ab 09.11.1612 Pfarrer in Löchgau. 1623 wurde er in den Ruhestand versetzt und mit einem Leibding
Leibding = kleines Landstück und Haus, das die Versorgung bis zum Lebensende sicherte.
ausgestattet.
Aus seinem Nekrolog: "Ein über alle Maßen belesener Mann, in allerlei Anfechtung vollgewiegt, in Schimpf und Scherz zu gebrauchen."
www.wkgo.de/personen/suchedetail?sw=gnd:GNDPFB653 (Ordnungsnr. 654, Aufruf 20.01.2017).
oo I. 02.05.1575 in Nürtingen
KB Nürtingen, E 1567-1828, oSz (02.05.1575).
Gertrud Stadler
∗ um 1549
+ 05.02.1613 in Löchgau
KB Löchgau, To 1593-1679, S. 261.

oo II. 25.07.1613 in Neckarhausen
Agathe N.N. (Witwe)
∗ unbekannt
+ unbekannt
Sigel, S. 1047 und www.wkgo.de/personen/suchedetail?sw=gnd:GNDPFB653 (Ordnungsnr. 654, Aufruf 20.01.2017), s.a. Faber, 23/16.
Eines der Kinder aus der ersten Ehe war Christoph Binder (s. Nr. 4).

Nr. 6: Christoph Binder (1519 – 1596) und Apollonia Hermann

Christoph Binder (aus Nr. 7)
∗ 28.12.1519 in Grötzingen
+ 31.10.1596 in Adelberg
Am 20.12.1534 immatrikulierte er sich an der Universität Tübingen, wo er im September 1537 den Bakkalaureus und am 28.01.1541 den Magister erhielt. Ab 1541 war erster Diakon oder Vikar in Göppingen, ab 1543 Pfarrer in Denkendorf und ab 1544 Diakon an der Hospital- und der Leonhardskirche in Stuttgart. 1546 wurde er auf ausdrücklichen Wunsch der Bevölkerung Pfarrer in Grötzingen – der Legende nach soll er noch im selben Jahr während des Schmalkaldischen Krieges spanische Soldaten davon abgehalten haben, in die Stadt einzudringen.
Metzger, Jakob: Spezialsuperintendent Christoph Binder von Nürtingen. In: Blätter für württembergische Kirchengeschichte (BWKG). Neue Folge (NF), Bd. 29, 1925, S. 95 – 108, hier S. 99f (= www.digizeitschriften.de/dms/img/?PID=PPN720885019_2_0029|LOG_0008&physid=PHYS_0101#navi, Aufruf 20.01.2017) sowie Schuster, Otto Adolf: Heimatgeschichte der Stadt Grötzingen. Nürtingen 1929, S. 52.
Ab 1557 war er Pfarrer sowie ab 1558 bis 1565 Dekan ("Superintendent") in Nürtingen. 1560 war er als Reformator für die Reichsstadt Weil der Stadt vorgesehen. Dieser Plan der herzoglichen Kanzlei wurde wegen des Widerstands der Bürger aufgegeben.
Schneider, Eugen von: Württembergische Reformations-Geschichte. Stuttgart 1887, S. 132 – der württembergische Herzog besaß durch das eingezogene Kloster Hirsau das Patronatsrecht über die Pfarrstelle der Reichsstadt.
Binder war für Herzog Christoph
Christoph (1515 – 1568), Herzog von Württemberg 1550 bis 1568.
auswärts in wichtigen Kirchenangelegenheiten unterwegs. Möglicherweise war er in diesem Zusammenhang 1560 bis 1561 nach Reichenweier
Reichenweier = Riquewihr, Département Haut-Rhin, Frankreich.
im Elsass abgeordnet, um in der gleichnamigen württembergischen Herrschaft das Luthertum einzuführen. Auch in der weiter südlich gelegenen zu Württemberg gehörenden Grafschaft Mömpelgard
Mömpelgard = Montbéliard, Département Doubs, Frankreich.
soll er tätig gewesen sein.
Schuster, S. 52 und Bossert, Gustav: Aus der nebenkirchlichen religiösen Bewegung der Reformationszeit in Württemberg. In: BWKG. NF, Bd. 33, 1929, S. 1 – 41, hier S. 33 (= www.digizeitschriften.de/dms/img/?PID=PPN720885019_2_0033|LOG_0005&physid=PHYS_0035#navi, Aufruf 20.01.2017), hier S. 33.
Auch soll er 1562 ins Herzogtum Sachsen gereist sein, um in einem Religionsstreit zu vermitteln.
Schuster, S. 52.
Von 1565 bis 1590/95 war er der erste evangelische Abt des Klosters Adelberg (Klosterschule), zugleich von 1557 bis 1586/90 Generalsuperintendent in Denkendorf. 1594 nahm er am Reichstag von Regensburg teil. Er war auch Fürstlich Württembergischer Rat. Im Februar 1595 trat er von seinen Ämtern zurück.
oo I. unbekannt (um 1548)
Apollonia Hermann
∗ unbekannt
+ 1558 in Nürtingen
Aus Kirchheim unter Teck, Witwe des Kaspar Thumm, Pfarrer in Wolfschlugen.
oo II. unbekannt (um 1559)
Anna Maria Erhard
∗ unbekannt
+ unbekannt
Sigel, S. 347 (= digital.wlb-stuttgart.de/purl/bsz456286985/page/350, Aufruf 22.02.2017), www.wkgo.de/personen/suchedetail?sw=gnd:123508029 (Ordnungsnr. 653, Aufruf 22.02.2017), www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-1246446 (Aufruf 22.02.2017) und Pfeilsticker […]. Bd. 1. Hof, Regierung, Verwaltung. Stuttgart 1957, § 1409, s.a. Faber, 23/10 – die Sekundärquellen sind bezüglich Binders Werdegang nicht einheitlich und widersprechen sich teilweise.
Eines der Kinder aus der ersten Ehe war Christoph Binder (s. Nr. 5).

Nr. 7: Georg Binder und Katharina Bainhardt

Georg Binder
∗ in Kirchheim unter Teck
+ 1548 in Grötzingen
Am 16.02.1497 immatrikulierte er sich an der Universität Tübingen, wo er am 22.06.1498 den Bakkalaureus erhielt. Am 06.01.1504 immatrikulierte er sich zum zweiten Mal an der Universität Tübingen, über einen zweiten Abschluss ist jedoch nichts bekannt. Er war ab 1512 katholischer Priester und von 1534 bis 1545 erster evangelischer Pfarrer in Grötzingen. Er führte mit dem vertriebenen Herzog Ulrich
Ulrich (1487 – 1550), Herzog von Württemberg von 1498 bis 1519 und von 1534 bis 1550.
während dessen Exils einen beständigen, geheimen Briefwechsel. Ende 1545 trat Binder in den Ruhestand.
Sigel, S. 353 (= digital.wlb-stuttgart.de/purl/bsz456286985/page/356, Aufruf 20.01.2017) und www.wkgo.de/personen/suchedetail?sw=gnd:GNDPFB664 (Ordnungsnr. 665, Aufruf 20.01.2017), s.a. Faber, 23/10.

Binder lebte, obwohl als katholischer Priester eigentlich an das Zölibat gebunden, wie damals viele seiner Amtsgenossen in wilder Ehe.
Metzger, S. 99.
Mit Katharina Bainhardt zeugte er seinen Sohn Christoph, der 1519 geboren wurde.
HStAS, J 67, Bü 33, Oratio de ortu, vitae curricuto et beateax his terris migratione reverendi viri pietate, eruditione, sapientia & rerum usu praestantiss Christophori Binderi Abbatis Adelbergensis à Christophoro Hermano […] Tubingae, Typis Iohan. Kircheri, 1597 [Leichenpredigt über Christoph Binder, mit Nachrufen, Latein, gedruckt, 89 Seiten, etwa 20 x 20 cm], S. 3.
Nach der Rückkehr des Herzogs und der umgehend darauf erfolgten Einführung der Reformation in Württemberg trat Binder zur evangelischen Konfession über und ehelichte wahrscheinlich noch im selben Jahr Katharina Bainhardt.
Schuster, S. 51.

Binder besaß in Grötzingen ein eigenes Haus, weshalb ein gewisses Vermögen angenommen werden kann, mit dem er seinem begabten Sohn eine gründliche Ausbildung ermöglichte.
Metzger, S. 99 und Schuster, S. 51.
oo 1534
Katharina Bainhardt
∗ in Neckartenzlingen
+ unbekannt
Von möglichen Kinder ist nur Christoph Binder (s. Nr. 6) bekannt.