Die Biografie von Anton Töchterle
Inhalt
Lebensdaten, Ehefrau und Schwiegereltern
Tätigkeit in Schwaz
Exkurs: Bergbau in der Herrschaft Kinzigtal ab 1700
Tätigkeit im "St. Bernhard" in Einbach (Hausach)
Tätigkeit in der "Fortuna" in Oberwolfach
Verhältnis zu Vorgesetzten und Obrigkeit
Weiterer Lebensweg
Lebensdaten, Ehefrau und Schwiegereltern
Anton (Antonius) Töchterle wurde am 31. Januar 1740 in Schwaz getauft
♦ (zu seinen Eltern s.
hier). Er starb am 3. Dezember 1812 im Gelbach in Oberwolfach.
♦ Er heiratete am 13. Januar 1771 in Hausach Maria Anna Benz aus Schenkenzell.
♦ Sie wurde am 25. März 1747 in Schenkenzell getauft. Ihre Eltern waren Matthias Benz und Ursula Schillinger.
♦ Sie starb am 26. Juni 1821 im Gelbach in Oberwolfach.
♦ Für die überkonfessionelle Ahnenforschung interessant ist die Tatsache, dass Matthias Benz aus dem württembergischen Rötenbach im Kirchspiel Alpirsbach stammte. Er wurde dort am 9. März 1696 geboren
♦ und heiratete Ursula Schillinger am 20. November 1741 in Schenkenzell.
♦ Damit eröffnet sich – für die damalige Zeit selten – eine Linie ins evangelische Württemberg.
Aufgrund der Quellenlage erfordert die Zuordnung einige Erklärungen: Töchterles Todesalter wird mit 81 Jahren angegeben, was eine Geburt um 1731 ergäbe. Das Todesalter seiner Witwe wird mit "ohngefähr 81 Jahre" angegeben, was eine Geburt um 1740 ergäbe. Zu damaligen Zeit waren die Altersangaben öfters ungenau und konnten selbst um zehn Jahre vom tatsächlichen Alter abweichen. Wie es in Hochzeitseinträgen katholischer Pfarreien im Schwarzwald aus dem 18. Jahrhundert leider üblich ist, fehlen auch im Hochzeitseintrag von 1771 die Angaben zu den Vätern. Aufgrund dieser Quellenlage kann eine Zuordnung zu den Taufeinträgen von 1740/47 nicht eindeutig belegt werden. Da der Taufeintrag vom 31. Januar 1740 jedoch laut Index zum Taufregister der einzige eines Anton Töchterles in Schwaz und der vom 25. März 1747 der einzige einer Maria Anna Benz zwischen 1730 und 1750 in Schenkenzell ist, kann die Zuordnung mit gutem Gewissen angenommen werden. Bei Maria Anna Benz kommt hinzu, dass einer der Trauzeugen David Benz hieß, der anhand eines Taufeintrags vom 30. Dezember 1750 in Schenkenzell als ihr Bruder identifiziert werden kann.
♦ Nachlassakten der (wahrscheinlichen) Eltern oder ein Heiratsvertrag des Ehepaars, womit möglicherweise diese Zuordnung zusätzlich belegt werden könnte, sind nicht überliefert.
Tätigkeit in Schwaz
Aufgrund der Quellenlage kann über Töchterles Zeit in Schwaz nichts Weiteres gesagt werden. In Schwaz wurde über Jahrhunderte teils sehr erfolgreich Bergbau auf Eisen und Silber betrieben. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts begann jedoch der stetige Niedergang des Schwazer Bergbaus.♦ "Die rückläufige Erzausbeute und die hohen Kosten für Betriebs- und Lebensmittel trieben viele Tiroler Knappen am Beginn des 18. Jahrhunderts in eine Art Schuldenfalle [...]. Trotz harter Arbeit blieb den Bergarbeitern oft nichts anderes übrig, als Kredite aufzunehmen, um die Lebenshaltungskosten finanzieren zu können. Eine attraktive Möglichkeit, diesem Teufelskreis zu entfliehen, war die Auswanderung."♦ Töchterle wurde also zu einem Zeitpunkt geboren, zu dem die goldene Zeit des Schwazer Bergbaus längst vorbei war. Vermutlich wurde er in einem Bergwerk des Bergreviers "Falkenstein", wo sein Vater tätig war (s.u.) ausgebildet. Vielleicht versuchte er, in Schwaz einige Jahre über die Runden zu kommen, verließ dann aber seine Heimat, um andernorts eine bessere und sicherere Tätigkeit zu finden. Seine Motive für die Auswanderung bleiben genauso im Dunkeln der Geschichte, wie der genaue Zeitpunkt.
Exkurs: Bergbau in der Herrschaft Kinzigtal ab 1700
Während die Zeit des Bergbaus in Schwaz im 18. Jahrhundert größtenteils vorbei war, blühte er im Schwarzwald wieder auf. In der Herrschaft Kinzigtal wurde er 1700 wieder aufgenommen. Dabei sah auch der damals regierende Graf Prosper Ferdinand von Fürstenberg-Stühlingen die Notwendigkeit, für den zügigen und professionellen Ausbau des Bergbaus schleunigst ausländische Bergleute anzuwerben. Hierfür gestattete der katholische Graf sogar nicht-katholischen Bergleuten die freie Religionsausübung,♦ was durch seinen Nachfolger Fürst Joseph Wilhelm Ernst von Fürstenberg-Stühlingen in der Bergordnung von 1732 nochmals bestätigt wurde.♦ Gleichzeitig sollten jedoch zuerst einheimische Bergleute angestellt werden, was häufig aber nicht der Fall war, so dass der Fürst aufgrund mehrerer Bittschriften im Mai 1728 dem Bergmeister den Befehl erteilte, "die Unterthannen und Landtskinder auf dene Bergwerckhen vor dene Fremden zu befördern".♦ Jedoch repräsentierten die Beschwerden nur eine Minderheit, vielmehr scheint es, "dass dieser harte und entbehrungsreiche Beruf [des Bergmanns] für viele Fürstenberger nicht interessant genug war, weshalb ausländische Bergleute zum Zug kamen".♦ Genaue Zahlen über die in der Herrschaft Kinzigtal tätigen "ausländischen" Bergleute sind nicht bekannt. Vom 31. Mai 1777 liegt jedoch eine "Consignation über die auf den edlen Bergwerken im Kinzigthal arbeitenden Bergleute" vor. Darin sind von 160 Bergleuten 92 aus Fürstenberg, acht aus Württemberg, sieben aus Tirol, sechs aus Sachsen, je fünf "Oberländer" und aus Österreich, jeweils drei aus Böhmen und Hessen sowie jeweils einer aus dem Münstertal, der Schweiz, der Steiermark, Markirch (Sainte-Marie-aux-Mines), Salzburg, Waldeck und Zweibrücken. Bei 24 Bergleuten fehlt die Herkunftsangabe, vier von ihnen können aufgrund des Nachnamens als Einheimische gezählt werden.♦
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Tätigkeit im "St. Bernhard" in Einbach bei Hausach
Einer der Bergleute aus Tirol war Anton Töchterle. Laut eigener Aussage, die in einem Protokoll des fürstenbergischen Bergamts Wolfach vom 5. Mai 1791 festgehalten ist, arbeitete er zu dem Zeitpunkt "schon 23 Jahr in den dießeitigen Bergwerkeren".♦ Anhand der Bergrechnung der Grube "St. Bernhard" im Hauserbach im Stab Einbach♦ bei Hausach für das letzte Quartal 1769 kann dies bestätigt werden. Er ist dort als Hauer mit 91 Schichten und einem Lohn von 30 Gulden (fl) und 20 Kreuzern (kr) aufgeführt.♦ In der erst ab 1751 "St. Bernhard" genannten Grube wurde bereits in früheren Zeiten Bergbau betrieben. 1749 wurde der Betrieb in den alten Stollen wieder aufgenommen. Zwischen 1758 und 1765 lieferte die Grube reichlich Ausbeute. 1784 wurde der Betrieb wieder eingestellt.♦ Laut den Bergrechnungen von "St. Bernhard" war Töchterle dort bis zum dritten Quartal 1772 tätig, wobei er in diesem Quartal nur noch 26 Schichten arbeitete.♦ Wo er anschließend tätig war, ist unbekannt. Aufgrund des Taufeintrages einer Tochter ist lediglich bekannt, dass er sich spätestens seit Anfang März 1773 in Oberwolfach aufhielt.♦
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Abb. 1: Grubenriss der Grube "Fortuna" im Gelbach vom 3. April 1750 von Schichtmeister Johann Weisser Quelle: FFAD, Karten und Pläne, Kasten I, Fach V, Nr. 31 c, Reproduktion: Matthias Zizelmann, Alpirsbach |
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Tätigkeit in der "Fortuna" in Oberwolfach
Ab dem letzten Quartal 1775 arbeitete Töchterle in der Grube "Fortuna" im Gelbach in Oberwolfach. Er begann dort seine Tätigkeit mit 61 Schichten und einem Lohn von 20 fl und 20 kr.
♦ Die bereits erwähnte Consignation von 1777 erhält noch eine weitere interessante Information. 1777 arbeiteten in der "Fortuna" neben Töchterle nur noch der Lehrhauer Michael Nock und der Hundläufer Xaver Gebert,
♦ beide dem Nachnamen nach aus Oberwolfach gebürtig. Auch den Bergrechnungen von 1777 ist zu entnehmen, dass nur diese drei Bergleute in dieser Grube tätig waren. Der Steiger Matheis Springmann aus dem Frohnbach wurde nur für die Aufsicht bezahlt,
♦ für die er nicht ständig vor Ort war. Töchterle hatte also, solange kein Steiger anwesend war, die Verantwortung in der "Fortuna". In dem Bergwerk soll schon vor Jahrhunderten Bergbau betrieben worden sein. Der Erzgang befindet sich in den Hängen beiderseits des Gelbachs. 1745 wurde der Betrieb von der ursprünglich in Schenkenzell tätigen Gewerkschaft "Fortuna" im nördlichen Teil auf der Suche nach Eisenerz wieder aufgenommen, musste aber bereits 1754 wieder eingestellt werden.
♦ Aus dieser Zeit ist ein Grubenriss überliefert, auf dem jedoch die Grubengebäude übertage deutlicher hervortreten, als die Grube an sich (Abbildung 1).
♦ 1775 wurde der Bergbau auf der südlich des Gelbachs gelegenen Seite durch Oberamtsrat und Landschreiber Selb und Bergleuten aus dem Frohnbach in Oberwolfach wieder aufgenommen. Nachdem sich die Bergleute in südliche Richtung und in tiefere Schichten vorgearbeitet und einiges an Silber gewonnen hatten – angeblich 14 kg Silber pro Tonne Erz –, wandten sie sich um 1780 nach Norden und unterfuhren 1784 den Gelbach, so dass sie schließlich in den alten Gängen nördlich des Gelbachs arbeiteten. Aufgrund fehlender abbauwürdiger Erze und stärker werdenden Wassereinbrüchen wurde der Abbau in der tiefen Strecke 1790 eingestellt. Da man auch bei den Arbeiten im alten Stollen im nördlichen Bereich keine abbauwürdigen Erze mehr fand und das Gestein brüchiger wurde, stellte man den gesamten Betrieb Ende 1795 wieder ein.
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Töchterle arbeitete in der "Fortuna" seit der Wiederinbetriebnahme 1775 bis zur Stilllegung 1795. Die Anzahl seiner Schichten in den letzten drei Quartalen 1795 könnten den Rückgang des Arbeitsbedarfs in der Grube widerspiegeln. Die übliche Anzahl der Arbeitstage und damit der Acht-Stunden-Schichten pro Quartal betrug 78 oder 79, pro Jahr 313. Im zweiten Quartal 1795 arbeitete Töchterle nur 67,5 Schichten, im dritten nur 24, im letzten nur noch 31,5 Schichten.
♦ In Abbildung 2 und 3 sind Töchterles Lohn und Schichten in den Jahren 1769 bis 1795 dargestellt. Hierbei ist zu beachten, dass er 1776 bis 1780, 1787 und 1795 zeitweise keine Schichten, sondern auf Geding arbeitete.
♦ Hierbei wurde vertraglich festgelegt, wie viele Lachter (ca. 2 m) er und meist ein weiterer Bergmann (1776 Carl Bächle, 1777 bis 1780 Michel Nock, 1795 Jacob Strohm) den Stollen vortreiben mussten – wie lange sie dafür benötigten, blieb ihnen überlassen.
Zur Einschätzung der Kaufkraft des Lohns seien hier einige Preise aus der benachbarten Stadt Wolfach aufgeführt (Beachte: 1 fl = 60 kr):
1 Maß (1,5 l) Bier 1796: 18 kr
1 Maß Fruchtbranntwein 1783: 54 kr; 1796: 1 fl 12 kr
1 Laib Brot 1796: 12 kr
1 Ochsenzunge 1797: 1 fl
500 g Kalbfleisch 1797: 10 kr
500 g Rindfleisch 1797: 14 kr
500 g Schinken 1797: 20 kr
1 Sester (15 l) Salz 1768: 1 fl 4 kr; 1796: 2 fl 24 kr
1 Sester Hafer 1772: 26 kr; 1794: 54 kr – 1 fl
1 Sester Roggen 1772: 1 fl 12 kr; 1794: 1 fl 34 kr – 1 fl 2 kr
1 Sester Weizen 1772: 1 fl 40 kr; 1794: 3 fl 45 kr
1 Henne 1768: 6 kr
1 Kuh 1771: 15 – 21 fl
1 Klafter (3,888 Raummeter) Brennholz 1793: 3 fl 30 kr♦
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| Abb. 2: Lohn pro Jahr von Anton Töchterle 1769-1795 |
Abb. 3: Schichten pro Jahr von Anton Töchterle 1769-1795 |
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Verhältnis zu Vorgesetzten und Obrigkeit
Drei Sitzungsprotokolle des Bergamts Wolfach erlauben einen Einblick in Töchterles Verhältnis zu Vorgesetzten bzw. zur Obrigkeit. Dem Sitzungsprotokoll vom 6. August 1782 ist zu entnehmen, dass die Bergleute der "Fortuna" nicht immer richtig bezahlt wurden: "Antoni Töchterle und Michel Nock, beede Bergleuth von der Fortuna, beschwehren sich, daß beede, und zwar jeder 10 fl an Schichtlohn bey dem Herrn Bergrath Selb zu fordern habe, und daß sie schon öffters eben so unrichtig bezahlet worden, wie inngleichen, daß derselbe die Einrichtung trefen wolle, die Zahlung anstatt monathlich, nur auf daß Quartal zu thuen, welches denen Bergleuthen allzu theilig und beschwehrlich falle". Da in der Kasse der "Fortuna" "etlich, und achzig Gulden" vorhanden waren, sollte der Forderung der beiden Bergleute nachgekommen werden.♦ Zwar wurde die Angelegenheit tags darauf noch an das Oberbergamt in Donaueschingen gemeldet,♦ in den Akten sind aber keine weiteren Einträge zu dem Fall zu finden, so dass angenommen werden kann, dass die Missstände abgestellt worden waren.
Das zweite Protokoll, vom 21. April 1785, lohnt es, hier im Ganzen wiederzugeben: "Bei der heütigen Versammlung hat man auf die beschwerende Anzeige des Herrn Pfarrers in Oberwollfach den Bergmann Anton Töchterle von Fortuna Werck in Gelbach vorgerufen, und denselben zur Verantwortung gestellt, daß er seine Kinder weder in die Schul noch Christenlehr geschickt, und auch dem Herrn Pfarrer in Gesicht gesagt, wenn er 8 Köpf hätte, so wolte er solche sich lieber abschlagen laßen, als eines in die Schul und Christenlehr schicken, weil wegen der neüen Lehrart nichts als üble Folgen, nehmlich die Abstellung der Feyertäge und im Oesterreichischen die Aufhöbung der Klöster entstanden.
Der zur Verantwortung gezogene Bergmann Tochterle [!] entschuldiget sich mit der Armuth, und daß er seine Kinder in Baurendienst thun müße, kann sich aber wegen denen gegen Herrn Pfarrer gethanen Reden hinlänglich nicht entschuldigen.
Conclusum
Wegen seiner Wiedersetzlichkeit gegen die herrschafftliche Verordnung soll Anton Töchterle zur Straf 8 Tag von dem Fortuna Werck abgezogen, und statt dieser Arbeit auf eben so viel Täg bey der Wenzels Zeche zum Hundlauffen abgestellt, negst künfftigen Sontag aber von der Fruhemeß an bis auf den Abend bethurnet [= inhaftiert] werden; mit dem Anhang, daß er sogleich bey seiner Ruckkehr dem Herrn Pfarrer in Oberwollfach wegen seinem respectwiedrigen Bezeügen eine Abbitt thun, seine Kinder verordnungsmäßig fleißig in die Schul und Christenlehr schicken, und sich übrigens mit Befolgung herrschafftlicher Verordnungen um so gehorsamer bezeigen solle, als ihm lieb seye, sein Brod fernerhin beizubehalten."♦
Mit der Abstellung (Abschaffung) der Feiertage und der Aufhebung der Klöster im Österreichischen nahm Töchterle Bezug auf die Reformen des römisch-deutschen Kaisers und Erzherzogs von Österreich und damit auch Herrschers über Tirol, Joseph II., ab 1781 (Josephinismus). – Könnte dies ein Hinweis sein, dass Töchterle trotz der Entfernung noch Kontakt zu seinen Verwandten in Schwaz hatte? – Als Strafe für sein Verhalten sollte er, abgesehen von einem halben Tag Arrest und Verpflichtung, sich beim Oberwolfacher Pfarrer zu entschuldigen, acht Tage in der Grube "Wenzel" als Hundläufer arbeiten, also mit dem Hund, einem kleinen Transportkarren, Erz, Material und anderes transportieren. Abgesehen davon, dass diese Tätigkeit anstrengender und wahrscheinlich auch weniger angesehen war, als die eines Hauers, und Töchterle täglich vom Gelbach in den Frohnbach und zurück laufen musste, wofür er pro Strecke mindestens eine Stunde unterwegs gewesen sein dürfte, war auch der Schichtlohn geringer, er betrug lediglich 15 anstelle von 20 kr. Tatsächlich ist Töchterle in der Bergrechnung von "alt St. Wenzel" im Frohnbach im zweiten Quartal 1785 nur mit sechs Schichten vermerkt, in der Bergrechnung von der "Fortuna" aus demselben Zeitraum mit 73 Schichten,♦ so dass er in diesem Quartal die üblichen 79 Schichten arbeitete. Vielleicht musste er im "Wenzel" zwei weitere, unbezahlte Strafschichten arbeiten oder sie wurden ihm erlassen.
Über die frühe Geschichte von "St. Wenzel" ist nicht mehr bekannt, als dass 1760 bereits ein Tagschacht und ein Querschlag vorhanden waren. In diesem Jahr nahm der Bergschreiber Kapf den Betrieb wieder auf, ab 1765 wurde die Grube intensiv von einer Gewerkschaft betrieben. Bis 1772 konnten 3.000 kg Silber gewonnen werden. Danach wurde die Ausbeute geringer, 1783 bis 1785 musste Zubuße bezahlt werden, danach fand man wieder einiges an Silber. Zwischen 1804 und 1823 wurde die Grube schließlich Stück für Stück stillgelegt.♦
Der Vorfall von 1785 scheint sechs Jahre später vergessen gewesen zu sein. Am 5. Mai 1791 bat Töchterle das Bergamt Wolfach um die Genehmigung, "auf die unbenöthigte Halden bei der Fortuna bauen" zu dürfen, "weil er mit 11 Kinderen beladen, und zu solchen nirgends keine Wohnung mehr erlangen könne." Die Bergräte Mayer und Selb, die 1785 zusammen mit dem Geheimrat und Landvogt von Schwab über Töchterles Strafe entschieden hatten,♦ bezeugten Töchterle ein "bisherig gutes Betragen" und unterstützen seine Bitte.♦ Da keine weiteren Unterlagen zu diesem Fall vorliegen, kann angenommen werden, dass Töchterle das Haus errichten durfte und dies auch getan hatte. Ein Gebäudeverzeichnis der Feuerversicherung von 1840 bestätigt diese Annahme. Dort ist der Maurer Anton Töchterle, ein Sohn des Bergmanns, als Hausbesitzer im Gelbach aufgeführt.♦ Dieses Haus befindet sich noch heute im Eigentum eines Nachkommens von Anton Töchterle.♦
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Weiterer Lebensweg
Womit Töchterle von 1796 bis zu seinem Tod 1812 seinen Lebensunterhalt bestritt, ist nicht bekannt. In seinem Todeseintrag wird er als Bergmann und Tagelöhner bezeichnet.♦ Ob er nach seiner Zeit in der "Fortuna" noch einige Zeit in anderen Bergwerken arbeitete, bleibt aufgrund fehlender Quellen unbekannt. Der Geburtseintrag seiner am 18. März 1813 unehelich geborenen Enkelin Maria Josepha Schorn liefert noch eine weitere Information zu Töchterle. In dem Eintrag wird er als "Hintersasse" bezeichnet.♦ Er war also ein Einwohner ohne Bürgerrecht, dem die Gemeinde Oberwolfach den Aufenthalt (widerruflich) gestattete.♦ Dies deutet daraufhin, dass Töchterle in seinen letzten Lebensjahren nicht mehr im Bergbau tätig war, weil er sonst unter der Jurisdiktion des Bergamts und nicht der Gemeinde gestanden hätte. Die Tatsache, dass seine Ehefrau nach seinem Tod nicht von der Knappschaftskasse versorgt wurde, sondern über den Einstandsvertrag ihres Sohnes Sebastian mitversorgt werden musste (s.u.), unterstützt diese Annahme. Im Zusammenhang mit Töchterles Status als Hintersasse ist interessant zu erwähnen, dass dieser Status eines "Nichtbürgers" auch für seine Kinder galt. Erst mit dem Bürgerrechtsgesetz vom 31. Dezember 1831 wurden die Hintersassen oder Schutzbürger den Ortsbürgern gleichgestellt.♦ Warum im Oberwolfacher Bürgerbuch 1800-1935 als einziger Töchterle nur Anton Töchterles am 31. Juli 1815 im Gelbach geborene Enkel Ignaz,♦ der sein angeborenes Bürgerrecht am 17. Januar 1855 antrat, eingetragen ist♦ und nicht auch Töchterles Söhne Joseph, Sebastian und Anton, bleibt offen.
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Kirchenbücher (KB) Schwaz, Taufregister (Tf) 1721-1752, S. 361 (https://matriken.tirol.gv.at/609267, Überprüfung aller URL am 18. November 2025).
Staatsarchiv Freiburg (StAF), L 10, Nr. 6172, Totenregister (To) 1812, Bl. 26v (http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=5-498906-99). Wie im Schwarzwald weit verbreitet, ist "Gelbach" sowohl der Name des Seitentals als auch des dadurch fließenden Baches.
KB Hausach, Eheregister (E) 1770-1847, ohne Seitenzählung (oSz) (13.01.1771).
KB Schenkenzell, Mischbuch (M) 1706-1771, Tf 1706-1771, S. 112.
StAF, L 10, Nr. 6172, To 1821, Bl. 28v (http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=5-498906-397).
KB Alpirsbach, Tf 1663-1731, Bl. 60v (http://www.archion.de/p/c4bf63dc97).
KB Schenkenzell, M 1706-1771, E 1706-1771, oSz (20.11.1741). Seine erste Eheschließung war am 25. September 1718 in Schenkenzell: KB Schenkenzell, M 1706-1771, E 1706-1771, oSz (25.09.1718).
KB Schenkenzell, M 1706-1771, Tf 1706-1771, oSz (30.12.1750).
NEUHAUSER u.a. (2022), S. 76 – 93.
NEUHAUSER u.a. (2022), S. 373.
MARKL (2005), S. 44 – 46.
MARKL (2005), S. 308.
Fürstlich Fürstenbergisches Archiv Donaueschingen (FFAD), Ta 9, Vol. I, Fasz. 8, Gewerkentags-Protocolle 1728, Actum 12.05.1728, Bl. 15v.
MARKL (2005), S. 111.
FFAD, Ta 6, Vol. I, Fasz. 5.
FFAD, Ta 8, Vol. IV, Fasz. 22, Actum 05.05.1791, S. 1.
Stab = historische Verwaltungseinheit im Schwarzwald. Aus dem Stab Einbach entwickelte sich die später selbstständige und 1971 nach Hausach eingemeindete Gemeinde Einbach. Zu Einbach gehörten u.a. das Dorf Einbach im Einbachtal nördlich und der Zinken Hauserbach südlich der Kinzig.
FFAD, Ta 21, Vol. VII, Fasz. 13 a, Luciae 1769, Bl. 2v. Die Bergrechnungen werden mit dem Namen des jeweiligen Bergquartals (Reminiscere, Trinitatis, Crucis und Luciae) zitiert.
BLIEDTNER/MARTIN (1986), S. 292 f.
FFAD, Ta 21, Vol. VII, Fasz. 13 a, Luciae 1769 – ebd., Crucis 1772.
KB Oberwolfach, M 1753-1809, Tf 1753-1809, Bl. 89r.
FFAD, Ta 21, Vol. VII, Fasz. 30 b, Luciae 1775, Bl. 2v.
FFAD, Ta 6, Vol. I, Fasz. 5, S. 6.
FFAD, Ta 21, Vol. VII, Fasz. 30 b, Reminiscere 1777, Bl. 3v; ebd., Trinitatis 1777, Bl. 4r; ebd. Crucis 1777, Bl. 3v; ebd., Luciae 1777, Bl. 4r.
BLIEDTNER/MARTIN (1986), S. 414 f.
FFAD, Karten und Pläne, Kasten I, Fach V, Nr. 31 c. Zur Transkription der Erläuterungen auf dem Riss siehe BLIEDTNER/MARTIN (1986), S. 415 – 417.
BLIEDTNER/MARTIN (1986), S. 418 und 420.
FFAD, Ta 21, Vol. VII, Fasz. 30 b, Luciae 1775 – ebd., Fasz. 30 d, Luciae 1795.
FFAD, Ta 21, Vol. VII, Fasz. 13 a, Luciae 1769 – ebd., Fasz. 13 a, Crucis 1772 und ebd., Fasz. 30 b, Luciae 1775 – ebd., Fasz. 30 d, Luciae 1795 und ebd., Fasz. 80 c, Trinitatis 1785.
DISCH (1920), S. 497 – 499.
FFAD, Ta 8, Vol. I, Fasz. 16, Actum 06.08.1782, S. 13 f.
FFAD, Ta 8, Vol. I, Fasz. 16, Schreiben 07.08.1782, Bl. 6r.
FFAD, Ta 8, Vol. II, Fasz. 14, Actum 21.04.1785, S. 1 – 3.
FFAD, Ta 21, Vol. VII, Fasz. 80 c, Trinitatis 1785, Bl. 4v bzw. ebd., Fasz. 30 b, Trinitatis 1785, Bl. 4r.
BLIEDTNER/MARTIN (1986), S. 440 und 442.
FFAD, Ta 8, Vol. II, Fasz. 14, Actum 21.04.1785, S. 1.
FFAD, Ta 8, Vol. IV, Fasz. 22, Actum 05.05.1791, S. 1 f.
MAIER (1958), S. 21.
Auskunft des Bruders des Eigentümers vom 12.07.2023.
StAF, L 10, Nr. 6172, To 1812, Bl. 26v (http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=5-498906-99).
StAF, L 10, Nr. 6172, Geburtsregister (Ge) 1813, Bl. 3v (http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=5-498906-106).
Vgl. DISCH (1920), S. 46.
Vgl. STIEFEL (1979), S. 469 – 471.
StAF, L 10, Nr. 6172, Ge 1817, Bl. 2r (http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=5-498906-224) und StAF, L 10, Nr. 6172, Ge 1815, Bl. 7r (http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=5-498906-171).
Gemeindearchiv Oberwolfach, B 2, Bl. 5v.